05.03.2021

Buchvorstellung | Abhandlung „Zur Flora und Fauna einer Sandabgrabung“

Die neue Abhandlung „Zur Flora und Fauna einer Sandabgrabung bei Haltern-Flaesheim (Kreis Recklinghausen, NRW)“ des LWL-Museums für Naturkunde. Foto: LWL/Steinweg

Zum Leben in einer Sandabgrabung hat das LWL-Museum für Naturkunde ein 720 Seiten starkes Buch veröffentlicht. Ein Ergebnis: Mehr als 3.000 Tier- und Pflanzenarten wurden in der Sandabgrabung bei Haltern-Flaesheim (Kreis Recklinghausen) entdeckt. 23 Bearbeiterinnen und Bearbeiter haben für die Monographie sechs Jahre lang ehrenamtlich ein Gebiet von 113 Hektar erforscht - erstmals und in dieser Form einmalig in Deutschland wurde das "verborgene Leben im Sand" präsentiert. 

Museumsdirektor Dr. Jan Ole Kriegs betont: „Durch die Untersuchungen der ehrenamtlichen Artenkennerinnen und Artenkenner zählt die Sandabgrabung bei Haltern-Flaesheim nun auch weit überregional zu den ökologisch am besten untersuchten Abgrabungsflächen in Deutschland.“

Naturschutz und Sandabgrabungen

Obwohl Sandabgrabungen und Steinbrüche vom Naturschutz schon früh als wertgebende Lebensräume erkannt wurden, werden sie heute vielfach als „Wunden in der Landschaft“ betrachtet. In diesem Kontext wurde von 2014 bis 2019 die Vegetation und zahlreiche ausgewählte Tiergruppen der Sandabgrabung bei Haltern-Flaesheim untersucht. Die westfälischen Naturforscher und Naturforscherinnen haben so gezeigt, dass diese nährstoffarmen und menschengemachten Lebensräume besonders für sandliebende Arten wertvoll sind. Das Werk zeigt weiterhin eindrucksvoll, wie viele verschiedene Tier- und Pflanzenarten in der 100-jährigen Geschichte der Sandabgrabung das Gebiet besiedeln konnten.

Sandabgrabungen stellen wichtige Lebensräume für verschiedene Bienenarten da. Foto: LWL/Steinweg

Artenvielfalt

Das LWL-Museums für Naturkunde hat den Druck organisiert und die Veröffentlichung fachlich unterstützt. In dem 113 Hektar großen Gebiet wurde an über 30 Untersuchungsstandorten mit Fallen die Wirbellosenfauna eingefangen und untersucht, sowie die daraus resultierenden "Beifänge" von Säugetieren, Reptilien, Amphibien und weiteren Gruppen. Darüber hinaus wurde systematisch die Vegetation und Flora in dem Gebiet genau dokumentiert. Allein bei der Untersuchung der Säugetiere konnten 32 Arten nachgewiesen werden, bei den Käfern, Wanzen und Spinnen fand man sogar sieben Arten, die erstmals für Nordrhein-Westfalen nachgewiesen werden konnten.

Der Laufkäfer, Bembidion fasciolatum (rechts im Bild), ist erstmals seit 1902 in Westfalen wiederentdeckt worden. Foto: LWL/Steinweg

Aufbau

Neben einem Übersichtskapitel zur Sandabgrabung vom Herausgeber, beinhaltet das 720 Seiten starke Buch 20 Kapitel zu den verschiedenen Arten und Gruppen der Tier- und Pflanzenwelt. Die Kooperation zahlreicher wissenschaftlicher Experten und Expertinnen aus unterschiedlichen Disziplinen ermöglichte tiefe Einblicke in das Artenreichtum des Gebiets. Die Moose und Flechten der Sandabgrabung machen den Anfang der Einzelkapitel, von den Säugetieren, Vögeln, Fischen sowie Amphibien und Reptilien geht es über zu den zahlreichen Insektenarten, die jeweils in der Gebietsmonografie vorgestellt werden. Die Längen der Kapitel variieren dabei von zehn bis 70 Seiten und sind mit zahlreichen Fotos, Karten und Grafiken illustriert. Das Buch begeistert so nicht nur Fachkundige, sondern auch Anwohner und Naturinteressierte.

Oligotrichum hercynicum ist eine Laubmoosart, die besonders im Süden der Sandabgrabung auftritt. Foto: LWL/Steinweg

Die Publikation wurde durch das ehrenamtliche Engagement der Beteiligten und die gute Kooperation mit der Quarzwerke GmbH erst ermöglicht. Das Projekt wurde zudem von der NRW-Stiftung und dem Förderverein des LWL-Museums für Naturkunde finanziell gefördert.

Buchdaten

Zur Flora und Fauna einer Sandabgrabung bei Haltern-Flaesheim (Kreis Recklinghausen, NRW), Band 94, Abhandlungen, LWL-Museum für Naturkunde, Karsten Hannig (Hrsg.) 720 Seiten, ISBN 987-3-940726-67-4, ISSN 0175-3495, Preis 24,90 Euro zzgl. Paketporto.

Bezugsadresse: LWL-Museum für Naturkunde, Sentruper Str. 285, 48161 Münster. Telefon 0251.591-05, naturkundemuseum@lwl.org

Oder über das Bestellformular auf unserer Website: https://www.lwl-naturkundemuseum-muenster.de/de/wissenschaft/publikationen/

 

Kategorie: Wissenschaft

Schlagworte: Westfalen · Buchvorstellung