29.07.2021

Naturbeobachtung | Ein Tag am Heiligen Meer

Das Große Heilige Meer ist das größte natürliche Stillgewässer Nordrhein-Westfalens. Foto: LWL/Steinweg

Besucht gemeinsam mit unserem studentischen Volontär Christopher das Naturschutzgebiet „Heiliges Meer“. Christopher zeigt euch die Gegend und erklärt, wie man Naturbeobachtungen mit der App ObsIdentify meldet, bestimmt und einträgt.

Los geht’s

Christopher: „Hallo zusammen, mein Name ist Christopher Mollmann und ich arbeite am LWL-Museum für Naturkunde als studentischer Volontär. Wenn ich hier nicht gerade am Arbeiten bin, dann studiere ich Landschaftsökologie in Münster.“

Heiliges Meer. Foto: LWL/Steinweg

Das Heilige Meer

Christopher nimmt euch heute mit zum Heiligen Meer. Doch was ist das überhaupt?

Das Naturschutzgebiet „Heiliges Meer“ ist einzigartiges Gebiet mit einer großen Vielfalt an Lebensräumen und einer hohen Biodiversität. Über Jahrtausende entstanden mehrere kleinere und größere Erdfallseen wie das „Große Heilige Meer“ (11 ha) oder der Erdfallsee (7 ha). Das LWL-Museum für Naturkunde unterhält am Rande des Naturschutzgebietes „Heiliges Meer“ bei Recke/Hopsten ein Bildungs- und Forschungszentrum. Das Naturschutzgebiet kann auf Rundwanderwegen erkundet werden. Dabei habt ihr die Möglichkeit, natürliche Ökosysteme wie Seen, Tümpel, Wälder sowie historische Kulturlandschaften wie Heide und Feuchtgrünland zu beobachten.

Rundwege am Heiligen Meer. Foto: LWL/Steinweg

Tiere und Pflanzen bestimmen

Christopher: „In meiner Freizeit bin ich immer sehr viel in der Natur unterwegs. Dabei benutze ich die App ObsIdentify auf meinem Handy. Mit dieser App ist es möglich, verschiedene Tier- und Pflanzenarten direkt im Gelände zu bestimmen und gleichzeitig in einer Datenbank zu hinterlegen.“

Die Startseite der App ObsIdentify. Screenshot: LWL/Mollmann

Die App ObsIdentify

Christopher: „So sieht die Startseite der App aus. Ihr könnt entweder direkt in der App ein Foto machen oder Fotos aus der Galerie hochladen.“

Die App ObsIdentify. Screenshot: LWL/Mollmann

Bestimmung in der App

Christopher: „ObsIdentify kann heimische wildlebende Tiere und Pflanzen bis auf Artniveau bestimmen. Mit ObsIdentify kann man automatisch bestimmte Tiere und Pflanzen ganz einfach direkt melden und in die Datenbank einspeisen.“

Naturbeobachtung am Heiligen Meer

Gemeinsam mit Christopher machen wir uns nun auf zu unserer ersten Naturbeobachtung.

Großes Heiliges Meer mit Schwimmblattvegetation. Foto: LWL/Mollmann

Christopher: "Hier zu sehen: die Schwimmblattvegetation am Großen Heiligen Meer."

Fledermaus-Azurjungfer bei der Eiablage. Foto: LWL/Mollmann.

Christopher: "Hier sieht man die Fledermaus-Azurjungfer bei der Eiablage. Kleinlibellen legen gerne in größeren Gruppen zusammen ihre Eier ab, um sich besser vor Fressfeinden zu schützen."

Heide mit Heideweiher. Foto: LWL/Mollmann

Christopher: "Westlich vom Großen Heiligen Meer in der Heide liegt der Heideweiher. Dieses Gewässer ist auch durch einen Erdfall entstanden. Es handelt sich um ein kleines, flaches Gewässer mit ausgeprägtem Torfmoos-Bestand und vielen weiteren heide- und moortypischen Pflanzen und Tieren."

Rotes Schnabelried. Foto: LWL/Mollmann

Christopher: "Schauen wir mal genauer hin. Das Rote Schnabelried benötigt sehr nasse Böden und ist im Naturschutzgebiet Heiliges Meer vor allem in den Randbereichen der Heidegewässer zu finden. Die Art ist bei uns sehr selten und gefährdet."

Kleine Moosjungfer. Foto: LWL/Mollmann

Christopher: "Wir haben sogar noch mehr entdeckt: Eine sogenannte "Kleine Moosjungfer" - eine typische Libellenart an Gewässern mit ausgedehnten, flutenden Torfmoos-Beständen."

Gabel-Azurjungfer. Foto: LWL/Mollmann

Christopher: "Erstfund für das Naturschutzgebiet Heiliges Meer! Diese hauptsächlich mediterrane Libellenart breitet sich in den letzten Jahren in NRW immer weiter aus und besiedelt hier bei uns hauptsächlich kleinere, sehr flache Gewässer, die sich durch die Sonne schnell erhitzen. Insbesondere bei den sehr mobilen Libellen macht sich der Klimawandel stark bemerkbar. Viele eher südlich verbreitete Arten dringen immer weiter nach Norden und breiten sich aus, während andere Arten durch beispielsweise ausgeprägtere Trockenperioden leiden."

Gemeiner Tormentill. Foto: LWL/Mollmann

Christopher: "Vom Wasser zurück in die Heidelandschaft - hier findet man z.B. den Gemeinen Tormentill. Dieser ist ein Magerkeitszeiger. Da viele Flächen bei uns vor allem durch die intensive landwirtschaftliche Nutzung überdüngt sind, sind viele Tier- und Pflanzenarten nährstoffarmer Standorte bei uns selten geworden."

Gefleckte Keulenschrecke Foto: LWL/Mollmann

Christopher: "Hier zu sehen: eine gefleckte Keulenschrecke. Die Art besiedelt schütter bewachsene, trockene Offenlandlebensräume, wie Heiden. Die Art benötigt unbewachsene Bodenstellen."

Drüsiges Springkraut. Foto: LWL/Mollmann

Christopher: "Zuletzt geht es jetzt in den Wald: am Heiligen Meer gibt es verschiedene Wälder, neben sehr nassen Erlenbruchwäldern gibt es auch solche mit Eichen und Birken auf trockeneren Standorten. Im Wald findet sich z.B. das sogenannte "Drüsige Springkraut". Es handelt sich dabei um einen Neophyt, eine Problempflanze, die sich immer weiter bei uns ausbreitet und dadurch andere Pflanzen verdrängt."

Karte mit Beobachtungen. Screenshot: LWL/Mollmann

Der Tag neigt sich dem Ende! Auf der Karte sind die Fundpunkte aller Beobachtungen am Heiligen Meer der letzten Stunden und Tage zu sehen. So weiß Christopher genau, wo er welchen Fund gemacht und in die Datenbank eingegeben hat.

Sonnenuntergang am Heiligen Meer. Foto: LWL/Mollmann

Danke, dass ihr heute mit dabei geweisen seid und gemeinsam mit Christopher das Heilige Meer erkundet habt. Weitere Eindrücke und kleine Videos findet ihr auf dem Instagram-Kanal des LWL-Museums für Naturkunde im Highlight "Heiliges Meer": https://www.instagram.com/lwlnaturkundemuseum/ (externer Link).

Mitmachen und gewinnen: die Arten-Olympiade

Wollt ihr selbst raus in die Natur und dabei sogar noch etwas gewinnen? Das LWL-Museum für Naturkunde ruft innerhalb der App „ObsIdentify“ zu einer Arten-Olympiade auf. Interessierte Einzelpersonen und besonders Familien können sich auf die Foto-Jagd nach Insekten und Spinnen begeben und dabei sogar noch etwas gewinnen. Die Arten-Olympiade findet mit Unterstützung der Stiftung Münster der Sparda-Bank West statt. Bis zum 31. August 2021 habt ihr Zeit, auf Entdeckungsreise zu gehen und die Artenvielfalt in der Natur zu erkunden.

Ziel der Arten-Olympiade ist, so viele Fotos wie möglich von Insekten und Spinnen zu machen und mit "ObsIdentify" oder über die Webseite "Observation.org" zu bestimmen und zu melden. Gewonnen hat, wer im Gesamtzeitraum die meisten verifizierten, wildlebenden Spinnen- und Insektenarten über die App meldet. Alle der über 30.000 wildlebenden, heimischen Spinnen- und Insektenarten können gemeldet werden. Die Arten-Olympiade findet mit Unterstützung der Stiftung Münster der Sparda-Bank West statt.

Wie genau das funktioniert, erklären wir euch in diesem Blogartikel: https://blog.lwl-naturkundemuseum-muenster.de/de/naturbeobachtung-was-krabbelt-da-insekten-und-spinnen-gesucht/ (interner Link)

Kategorien: Bildungs- und Forschungszentrum Heiliges Meer · Wissenschaft

Schlagworte: Naturbeobachtung · Observation.org